Das Thema ist für Sie relevant, wenn Sie ...

eine Embedded-GUI planen und die Technologiewahl sauber absichern möchten
LVGL als Qt-Alternative für ein konkretes Projekt prüfen
eine hardwarenahe HMI mit geringem Ressourcenbedarf umsetzen wollen

Was LVGL für Embedded-Projekte interessant macht

LVGL steht für Light and Versatile Graphics Library und ist eine leichtgewichtige Grafikbibliothek für Embedded-GUIs. Besonders interessant ist LVGL dort, wo Benutzeroberfläche, Hardware und Systemintegration eng zusammengedacht werden müssen — etwa bei HMIs, Touch-Oberflächen, grafischen Overlays oder schlanken Bedienkonzepten auf MCU-, MPU- oder Embedded-Linux-Plattformen.

Für viele Embedded-Produkte ist nicht der größtmögliche Funktionsumfang entscheidend, sondern die technische Passung zum Zielsystem. Genau dort spielt LVGL seine Stärken aus. In ressourcensensitiven Architekturen, bei klar umrissenen Bedienoberflächen und überall dort, wo ein GUI kein unnötig schwerer Software-Anteil sein soll.

Schlanker SoftwareaufbauSchlanker Softwareaufbau
Wenn ein GUI nicht mehr Laufzeitumgebung mitbringen soll als nötig, ist ein kompakter Ansatz oft im Vorteil.
Plattformnahe IntegrationPlattformnahe Integration
LVGL lässt sich gut in Embedded-Systeme integrieren, in denen Display, Eingabe und Anwendungslogik eng gekoppelt sind.
Breite EinsatzmöglichkeitenBreite Einsatzmöglichkeit
Von Mikrocontroller-nahen Umgebungen bis zu Linux-basierten Embedded-Systemen kann LVGL sinnvoll eingesetzt werden.
Produktnahe HMIsGute Passung für produktnahe HMIs
Wenn robuste, verständliche und wartbare Oberflächen gefragt sind, ist LVGL häufig eine sehr passende Wahl.

Das komplette LVGL Ökosystem

LVGL ist heute nicht nur als klassische Grafikbibliothek relevant, sondern als Ökosystem mit unterschiedlichen Ausprägungen für verschiedene Projektanforderungen — von der frei nutzbaren Basisbibliothek bis zu spezialisierten Varianten für anspruchsvollere Entwicklungs- und Einsatzszenarien.

LVGL Open

Die klassische MIT-lizenzierte Open-Source-Bibliothek für Embedded-GUIs auf MCU-, MPU- und Linux-Zielsystemen.

  • Erstellung moderner GUIs auf fast jedem Mikrocontroller (MCU/MPU)

  • komplett kostenlos, riesige Community und maximale Flexibilität im C-Code

LVGL Safe

Eine komplett neu geschriebene Version für sicherheitskritische Anwendungen (z. B. Medizin, Automotive, Industrie).

  • zertifizierbare Benutzeroberflächen nach Standards wie ASIL-B oder SIL-2

  • verzichtet komplett auf dynamische Speicherzuweisung

  • Einsatz in Umgebungen mit extrem hohen Sicherheitsanforderungen

LVGL Pro

Ein professionelles Toolkit und Editor, um die Entwicklung massiv zu beschleunigen.

  • effizientes Designen, Testen und Versenden von UIs
  • inkl. LVGL Pro Editor (XML-basiert), UI-Testing, Figma-Import und Datenbindung
  • kostenlos für Open-Source-Projekte oder   kostenpflichtig für Unternehmen

Für die Auswahl im Projekt ist wichtig, welche Variante die Entwicklung Ihrer LVGL GUI tatsächlich unterstützt und wie gut sich Bibliothek, Tooling und Laufzeitverhalten in das vorhandene System einfügen.

Wann LVGL in der Praxis besonders sinnvoll ist

LVGL ist besonders interessant, wenn ein Embedded-Projekt klar umrissene Anforderungen an Oberfläche, Hardware und Integration hat.


Typische Einsatzfelder sind:

  • Embedded-HMIs mit klar definierter Bedienlogik

  • ressourcensensitive Zielsysteme, bei denen CPU- und Speicherbudget relevant sind

  • Touch-Oberflächen für Bedienung, Visualisierung und Parametrierung

  • grafische Overlays über Daten- oder Videoinhalten

  • Systeme, in denen Hardware, GUI und Systemlogik eng gekoppelt sind

  • Projekte, in denen eine Alternative zu umfangreicheren GUI-Stacks gesucht wird

Gerade dann, wenn keine unnötig große Framework-Landschaft benötigt wird, sondern eine saubere technische Lösung für ein konkretes Embedded-Produkt, kann LVGL sehr überzeugend sein.

Praxisbezug: LVGL auch für Migration und Modernisierung bestehender Anwendungen

LVGL ist nicht nur für neue Embedded-Projekte interessant. Die Technologie kann auch dann sinnvoll sein, wenn bestehende Anwendungen auf moderne Plattformen überführt werden sollen. Besonders bei der Migration auf ein neues Board oder ein aktualisiertes Embedded-System kann eine LVGL GUI helfen, bestehende Bedienlogik technisch kontrolliert in eine modernisierte Umgebung zu überführen.

Typischer Projektkontext

Ausgangslage
Bewährte Anwendung auf abgekündigter Hardware und älterem Betriebssystem.

Lösungsansatz
Adaption der GUI in eine LVGL-basierende Anwendung bei Beibehaltung der Business-Logik.

Ziel
Oberfläche, Funktionalität und gewohnte Bedienlogik möglichst nahtlos auf eine moderne Plattform überführen.

Wichtig:
Nicht jedes Modernisierungsprojekt braucht eine komplette UI-Neuentwicklung. Wenn Look-and-Feel und bestehende Abläufe erhalten bleiben sollen, kann LVGL ein sinnvoller Baustein für die technische Überführung sein.

Praxisdemo | LVGL auf i.MX93 mit geringer Systemlast

Diese Demo zeigt eine einfache LVGL-Oberfläche auf i.MX93 mit untenstehender Systemauslastung über top. Gerade auf einem Embedded-Board mit begrenztem Ressourcenbudget ist relevant, wie schlank sich eine LVGL GUI in das laufende System integrieren lässt und wie viel Rechenzeit für weitere Applikationslogik verfügbar bleibt.

 

Die wichtigsten Fakten kurz erklärt

  • LVGL-Demo auf i.MX93 unter Linux — im Ressourcenmonitor als Prozess /tmp/mylvgl sichtbar
  • im gezeigten top-Ausschnitt nur minimale GUI-Last: mylvgl liegt bei 1 % VSZ und 0 % CPU, während die CPU gesamt mit 99 % idle weitgehend frei bleibt
  • geeignet für schlanke Embedded-HMIs, Statusanzeigen oder Bedienoberflächen, bei denen neben der GUI noch weitere Anwendungslogik auf derselben Plattform laufen soll

 

 

Hinweis:
Die Demo ist kein allgemeingültiger Benchmark, sondern ein praxisnaher Einblick in das Ressourcenprofil von LVGL auf einer realen Plattform.

Praxisdemo | Kamerastream mit LVGL-Overlay auf i.MX6

Die zweite Demo zeigt LVGL im Zusammenspiel mit einem Kamerastream und einem grafischen Overlay auf einem i.MX6. Damit rückt nicht nur die Oberfläche selbst in den Blick, sondern die Integration in ein praxisnahes Embedded-Szenario.

 

Die wichtigsten Fakten kurz erklärt

  • Kamerastream mit LVGL-Overlay auf i.MX6 — der Hintergrundstream ist definiert, das Overlay enthält einen bewegten Bestandteil

  • CPU-Last bei rund 18 %,  Kameralast bei etwa 2 % >>    der i.MX6 bewältigt das Zusammenspiel aus Videostream, Overlay und Datenverarbeitung gut

  • Optimiert für kosteneffiziente Kamera-Embedded-Systeme inklusive Overlays und Bedienfunktionen

LVGL, Qt und Qt for MCUs richtig einordnen

Wer nach LVGL, LVGL Qt, LVGL vs Qt oder Qt-Alternative sucht, meint oft sehr unterschiedliche technische Ausgangslagen. Genau deshalb ist eine saubere Einordnung wichtig: Klassisches Qt auf Embedded Linux, Qt for MCUs und LVGL verfolgen unterschiedliche Ansätze und sind nicht 1:1 austauschbar.

KriteriumLVGLQt auf Embedded LinuxQt for MCUs
Zielsystem MCU, MPU, Embedded Linux leistungsfähigere Linux-basierte Systeme MCU / Bare-Metal-nahe Ziele
technischer Zuschnitt leichtgewichtige Embedded-Grafikbibliothek umfangreicheres Framework-Ökosystem deutlich reduzierter MCU-Ansatz
typischer Fokus schlanke HMIs, Overlays, hardwarenahe GUIs umfangreichere Linux-UIs GUI auf Mikrocontroller-Zielen
Lizenz- / Kostenmodell Open-Source-Basis verfügbar, projektabhängig erweiterbar je nach Nutzung und Lizenzmodell kostenrelevant in der Regel kommerzieller Lizenzrahmen
QML-/UI-Ansatz hardwarenahe GUI-Entwicklung Qt Quick / QML im Linux-Kontext MCU-optimiertes QML mit funktionalen Einschränkungen
Ressourcenprofil ressourcensensitiv und plattformnah abhängig von Linux-, Grafik- und Framework-Stack für MCU-Szenarien ausgelegt, aber funktional reduziert
Tooling / Build flexibel im Embedded-Kontext umfangreiches Qt-Tooling im Linux-Umfeld spezialisierter MCU-Workflow, Bare-Metal auf CMake-Basis
Einordnung sehr passend bei klar umrissenen Embedded-GUIs sinnvoll bei passender Linux-Architektur nicht mit vollem Qt gleichzusetzen

Qt for MCUs im Technik-Check

Qt for MCUs ist nicht mit dem vollen Qt-Framework gleichzusetzen. Gerade bei der Bewertung als Alternative oder Vergleichsmaßstab ist es wichtig, die technischen Rahmenbedingungen im MCU-Kontext sauber einzuordnen.

Auf Mikrocontroller-Zielen kommt nicht das vollständige Qt-Framework zum Einsatz, sondern Qt Quick Ultralite (QUL). Der Ansatz ist deutlich stärker auf die GUI fokussiert als klassisches Qt.

Wichtige Unterschiede:

  • keine Standard-Bibliotheken wie Qt Multimedia, Qt Network, Qt SQL oder Qt WebEngine im üblichen Umfang
  • Fokus liegt primär auf der Benutzeroberfläche
  • das klassische QtWidgets-Modul wird nicht unterstützt

Auch bei QML und Qt Quick ist der MCU-Kontext funktional deutlich eingeschränkter als im klassischen Qt-Umfeld.

Dazu gehören unter anderem:

  • keine dynamischen QML-Objekte zur Laufzeit wie im vollen Qt-Kontext
  • JavaScript nur eingeschränkt nutzbar
  • bestimmte Transformationen und Eigenschaften verhalten sich reduziert
  • einzelne Value-Typ-Eigenschaften sind nur eingeschränkt direkt beschreibbar

Qt for MCUs ist für kleine Zielsysteme ausgelegt, bleibt aber an die Grenzen des jeweiligen Mikrocontrollers gebunden.

Wichtige Rahmenbedingungen:

  • ohne RTOS läuft die Anwendung im Bare-Metal-Modus single-threaded
  • zusätzliche Grafikressourcen bleiben ein relevanter Faktor für Speicher und Laufzeit
  • Standard-I/O wie auf größeren Systemen steht nicht in gleicher Form zur Verfügung und muss hardwarenah umgesetzt werden

Auch im Entwicklungsprozess gelten für Qt for MCUs andere Rahmenbedingungen als bei klassischem Qt.

Wesentliche Punkte:

  • im MCU-Kontext ist typischerweise ein kommerzielles Modell relevant
  • fortgeschrittene Debugging- und Profiling-Funktionen können eingeschränkt sein
  • Bare-Metal-Projekte basieren auf CMake, nicht auf qmake

Ist LVGL für Ihr Projekt die richtige Wahl?

Ob LVGL, Qt oder ein anderer Ansatz sinnvoll ist, entscheidet sich nicht an Schlagworten, sondern an der technischen Realität Ihres Systems.

LVGL Zielsystem verstehen

Zielsystem verstehen

Wir betrachten Plattform, Laufzeitumgebung, Ressourcenrahmen und Integrationskontext

LVGL Eignung bewerten

LVGL-Eignung bewerten

Wir prüfen, ob LVGL technisch zum gewünschten GUI-Umfang und zur Systemarchitektur passt

GUI Architektur festlegen

GUI-Architektur festlegen

Auf Basis der Anforderungen wird die passende Richtung für Integration und Umsetzung definiert

LVGL produktnah umsetzen

Produktnah umsetzen

Bei Bedarf begleiten wir von Demonstrator, Adaption oder Migration bis zur konkreten Embedded-GUI

So entsteht keine Framework-Entscheidung nach Bauchgefühl, sondern eine belastbare technische Grundlage für Architektur, Umsetzung und spätere Wartbarkeit.

FAQ

Ja, in bestimmten Embedded-Szenarien kann LVGL eine sehr gute Alternative zu Qt sein — insbesondere dann, wenn Ressourcenbedarf, Hardware-Nähe und ein schlanker Integrationsansatz im Vordergrund stehen. Ein pauschaler Ersatz ist LVGL jedoch nicht.

Beide adressieren Embedded-Oberflächen, unterscheiden sich aber in Architektur, Tooling, Umfang und Integrationsansatz. Wichtig ist vor allem, Qt for MCUs nicht mit dem vollen Qt-Framework auf Embedded Linux gleichzusetzen.

Ja. LVGL kann auch in Linux-basierten Embedded-Systemen sinnvoll eingesetzt werden, wenn ein schlankes GUI-Konzept und eine direkte Integration in das Zielsystem gefragt sind.

Vor allem für HMIs, Touch-Bedienoberflächen, Gerätesteuerungen, grafische Overlays und ressourcensensitive Embedded-Produkte mit klar umrissener UI-Logik.

Ja. LVGL kann auch in Migrations- und Redesign-Projekten sinnvoll sein, wenn bestehende Bedienlogik erhalten bleiben soll und eine Anwendung auf moderne Hardware oder aktuelle Softwarestände überführt werden muss.

Ja. Wir unterstützen bei technischer Bewertung, Architektur, Entwicklung, Portierung, Adaption bestehender Anwendungen und Integration von LVGL-basierten Embedded-GUIs. Dabei betrachten wir die LVGL GUI nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit System, Zielplattform, Display-Anbindung und projektrelevantem Support.

Aktuell lässt sich LVGL grob in drei Varianten einordnen: LVGL Open, LVGL Safe und LVGL Pro.

LVGL Open ist die klassische Open-Source-Bibliothek auf MIT-Basis für Embedded-GUIs auf MCU- und MPU-nahen Systemen.

LVGL Safe ist für Anwendungen mit erhöhten Anforderungen ausgelegt und verzichtet unter anderem auf dynamische Speicherzuweisung.

LVGL Pro ergänzt die Bibliothek um professionelle Werkzeuge für UI-Workflows, etwa für Design, Testing, Figma-Import und Datenbindung

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Roxana BergtVertrieb | Projektmanagement Embedded